Abgesehen von der Funktion als Schutzraum oder der politischen Informationsmöglichkeit, gibt es noch unzählige andere Gründe für einen Freiraum (in diesem Fall ein Infoladen) in Schwarzenbek und anderswo.
Allerdings fällt es schwer für uns, ein festes Bild von dem Infoladen zu malen, zumal dieser Ort nicht nur Teilen unserer Träume Raum ermöglichen, sondern auch Raum für andere Menschen bieten soll. Wir wollen mit diesem Projekt eine Plattform zur Verfügung stellen, in der sich Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Sexualität, ihrem Aussehen,… treffen, kennenlernen und Projekte planen und ausführen können. Diese Projekte müssten auf keinen Fall nur politisch sein, es könnten und sollten durchaus auch kulturelle und zwischenmenschliche Projekte sein. Schüler_Innen könnten sich zusammenschließen und eine Lerngruppe bilden, Computerbegeisterte könnten eine Computer AG gründen oder jemand möchte einen Poetry Slam veranstalten…
Diese Aufzählungen könnte man noch unbegrenzt fortsetzen, aber anstatt das zu machen, gehen wir dazu über, warum man für so etwas einen libertären (anarchistischen) Freiraum benötigt oder warum gerade wir einen solchen dafür anstreben.
Kultur durch Anarchie?
Sicherlich kann Kultur auch nicht-anarchistisch sein und sicher ist sie auch in einem begrenzten Rahmen möglich. Jedoch reichen uns und vielen anderen Menschen nicht die diktierten Grenzen. Es kommt nicht selten vor, dass man für seine Veranstaltung Geld nehmen muss, da man die Räumlichkeit mieten muss, obwohl man das gar nicht möchte. Das bedeutet wiederum, dass die Besucher_Innen auch Eintritt zahlen müssen, wodurch Menschen mit wenig oder gar keinen Geld meistens ausgeschlossen werden. Auch kommt es vor, dass Menschen kein Raum gegeben wird um ihr Projekt anfangen zu können, weil es statistisch gesehen oder vermutet wird, dass es nicht viele Interessenten haben wird.
Der Infoladen wird nur ein einziges Dogma haben. Und zwar: Der Infoladen wird ein anarchistisches Projekt sein und das auch bleiben. Das bedeutet nicht dass nur Anarchist_Innen erwünscht sind, sondern, dass Herrschaftsformen aller Art aufgezeigt, kritisiert und auch bekämpft werden. Herrschaftsformen sind z.B. Sexismus, Rassismus, Faschismus, Autoritarismus, Tierausbeutung, Antisemitismus,… auch diese Liste kann nahezu endlos weitergehen. Um es auf den Punkt zu bringen: Diskriminierungen, Mobbing und „Führer_In spielen“ werden nicht geduldet.
Auch bedeutet es, dass der Infoladen durch ein Kollektiv selbstverwaltet wird. In diesem Kollektiv wird es keine Hierarchie, kein demokratisches Mehrheitsprinzip und keinen anderen Zwang geben. Es wird versucht jede Entscheidung gemeinsam mit den anderen (noch nicht) bestehenden Kollektiven/Gruppen (z.B. Computer AG) per Konsensfindung zu treffen.
Konflikte… Was nun?
Auch in einem anarchistischen Projekt wird es nicht durchgehend harmonisch sein und zu Konflikten kommen. Eine Schlägerei, ein sexistischer Übergriff oder sonstige Streitereien… Ein Konflikt kann eigentlich alles sein. Konflikte sollten autonom von Staat und Polizei gelöst werden. Dafür soll es eine Kommunikationsgruppe geben, welche als unparteiisches Organ zwischen den Betroffenen vermittelt, um den Konflikt so gut wie möglich zu lösen. Dies soll ohne autoritäre Strukturen passieren, die Gruppe soll also nicht zum_zur Henker_In oder Richter_In werden. Eine Lösung zu finden kann oft sehr schwer sein, vor allem wenn es um Sexismus geht. Was ist ein sexistischer Übergriff und ab wann ist es eine Vergewaltigung? Dafür gibt es keine Richtlinien und die Betroffenen entscheiden selbst, was es für sie war. Es nützt aber nichts, sich in einen fiktiven Fall zu vertiefen, da jeder Konflikt individuell sein wird. Stattdessen kann man sagen, dass jegliche Zusammenarbeit mit Staat und Polizei nicht erfolgen und auch nicht gutgeheißen wird. Es wird sich darum bemüht jeden Konflikt so gut wie irgend möglich zu lösen, psychisches Erste Hilfe zu leisten und gegebenenfalls an kompetente Psycholog_Innen weiter zu vermitteln oder dieses zu empfehlen.
Fazit und vergessenes
Der Infoladen wird so gut es geht, jedem Menschen kostenlos Raum bieten, solange diese keine Herrschaftsformen leben oder propagieren. Er wird auch Raum für Projekte bieten, woran vielleicht nur ein bis zwei Menschen arbeiten. Jedoch wird alles unkommerziell sein, für keine Veranstaltung wird Eintritt genommen. Höchstens wird mal eine Spendendose rumgehen.
Wie sich die einzelnen Projekte und Gruppen organisieren ist natürlich ihre eigene Sache. Solange keine hierarchischen Strukturen entstehen, kann jede Gruppe rumprobieren, welche Organisationsform die beste für sie ist. Der Infoladen wird dennoch als kollektiv selbstverwaltet und Entscheidungen werden per Konsensfindung getroffen.
Für einen Infoladen in Schwarzenbek!
- Infokollektiv Schwarzenbek
Quelle: ilsbk.blogsport.eu