Für einen Infoladen in Schwarzenbek!

Viele von euch sind hierher gekommen, um sich mit unserem Projekt solidarisch zu zeigen und uns bewusst zu unterstützen. Einige sind wohl auch nur hier, weil es günstiges Essen und Party gibt. Wir hoffen jedoch, dass alle zuhören, wenn wir jetzt etwas über Schwarzenbek, die Zustände dort und unser Projekt erzählen werden.

In Schwarzenbek, ebenso wie im gesamten Kreis Hzgt. Lauenburg, gibt es keinen sozialen oder politischen Freiraum, keine Rückzugsorte und kaum politisch-motivierte Menschen. Stattdessen gibt es eine sogenannte „nationalbefreite“ Zone inklusive Nazihaus in Ratzeburg.

Nazigewalt ist zwar ein mittlerweile ausgelutschtes Thema, welches viele nicht mehr interessiert. Aber es ist, wie an vielen Orten auch, in Schwarzenbek zu einem ernsten Problem geworden und sollte deshalb nicht verschwiegen werden. Immer wieder fielen Faschist_Innen durch Pöbeleien gegen Migrant_Innen und alternativ-aussehenden Menschen auf. Es dauerte auch nicht lange bis die ersten Übergriffe stattfanden. Die Übergriffe gipfelten das Erste mal in einem Brandanschlag auf das Auto des Besitzers des Restaurant „Feuerschloss“. Nach etwas länger als einem Jahr fanden die Übergriffe dann ihren erneuten Höhepunkt in einem Anschlag auf das „Feuerschloss“, als es im September 2009 mit mehreren Molotow-Cocktails angegriffen wurde, welche glücklicherweise nicht alle zündeten und somit niemand zu körperlichen Schaden kam. Seit dem gab es zwar keine Brandanschläge mehr, dafür wurden es mehr körperliche Übergriffe und Pöbeleien und auch wurden zweimal im Jahr 2010 die Scheiben des Partei-Büros der Linkspartei eingeworfen. Nach den Angriffen auf „Die Linke“ blieb es hauptsächlich bei Pöbeleien, bis es wieder seit Ende 2011 mit körperlichen Übergriffen begann. Verfolgungsjagden, Schlägereien und das etablieren eines „Nazi-Treffs“ auf dem Marktplatz fingen mit dem Jahr 2012 an. Die Gewalt gipfelte in diesem Jahr mit einem Angriff auf einen Antifaschisten, welcher von mehreren Faschist_Innen zusammengetreten wurde und sich nur mit Hilfe von Pfefferspray retten konnte.

Neben dem Naziproblem haben politische Aktivist_Innen, Migrant_Innen und andere Menschen die nicht ins gesellschaftlich-konforme Stadtbild passen, ständig mit staatlicher Repression zu kämpfen. Kontrollen, Schikanen und willkürliche Festnahmen durch die Bullen und wiederholte Anquatschversuche durch den Verfassungsschutz. Auch nimmt die Polizeigewalt gegenüber Migrant_Innen zu. Nicht selten kommt es vor, dass die Bullen jugendliche Migrant_Innen verprügeln und festnehmen.

Zu der ganzen Gewalt kommt noch hinzu, dass die Stadt Schwarzenbek mittlerweile die am höchsten verschuldete Stadt im Kreis ist und somit auch an sozialen und kulturellen Einrichtungen spart. Der städtische Jugendtreff z.B. soll diesen Sommer umziehen, da die Stadt sich die Sanierung des Gebäudes nicht leisten kann oder möchte. Dort werden auch die Bandproberäume wegfallen. Selbst wenn der Jugendtreff städtisch ist, und somit nicht selbstverwaltet, kritisieren wir diesen Umzug auch weiterhin, während die Jugendtreffmitarbeiter_Innen ihm mittlerweile zustimmen.
Ebenso sieht die Zukunft des Amtsrichterhaus fraglich aus, ob es noch geschlossen wird und somit den kulturellen Raum nicht mehr geben wird.

Seit dem die Stadt immer weiter in die Schuldenfalle lief, wurde der Leerstand immer größer. In der kleinen und überschaubaren Innenstadt sind mittlerweile schon knapp 10 Geschäfte geschlossen und weitere folgen noch diesen Sommer. Die Stadt erhofft sich durch den Verkauf des Jugendtreffgebäudes, einen geschickten Investor oder eine geschickte Investorin, die dort ein Einkaufszentrum errichtet, damit die Innenstadt stärker frequentiert wird und somit neue Geschäfte in die Innenstadt kommen. Der Bürgermeister Frank Ruppert wünscht sich da eine konsumorientierte Stadtgestaltung und die Stadtkämmerin Ute Borchers-Seelig benannte diese Form der Stadtgestaltung als „lebens- und liebenswert“.
Dies wurde u.a. damit untermauert, dass für Leerstände immer weiter Investor_Innen gesucht werden, während die kulturelle und soziale Seite der Stadtentwicklung zurückstehen muss.
Ein gutes Beispiel dafür ist der seit Jahren leer stehende ehemalige Aldimarkt an der Buschkoppel, der jetzt im Rahmen eines Investor_Innenenprojektes des Unternehmers Zonghui Zhu und seiner eigens dafür gegründeten European Textile Center GmbH in einen Showroom zum Zweck der Marktforschung umgewandelt werden soll, welcher ermöglichen soll asiatische Textilien dem Geschmack der europäischen Kund_Innen näher zu bringen. Der Jahrelange Leerstand dieses Gebäudes hätte kulturell und sozial genutzt werden können, anstatt ohne Leben gefüllt zu sein und letztlich nur als Ort des Konsums zu werden. Eine konsumorientiere Stadtgestaltung macht die Stadt nicht „liebens- und lebenswert“, wie Borchers-Seelig behauptete, sondern sie beschränkt die Möglichkeiten des Individuums auf dessen finanzielle Mittel.

Genau an diesem Punkt kommt unser Projekt zum Vorschein. Wir lehnen die Fremdbestimmung und vor allem die Stadtgestaltung der Lokalpolitik ab, stattdessen fingen wir an, uns Gedanken darüber zu machen wie wir selbst die Stadt gestalten können. Kamen bei diesem Gedanken leider nur bei der Möglichkeit an, eine Räumlichkeit zu mieten. Besetzen oder kaufen ist unglücklicherweise hier (noch) nicht möglich. Dazu fehlt uns auch weiterhin noch genügend Rückhalt innerhalb der Bevölkerung in Schwarzenbek und innerhalb der Szene in Hamburg.

An dieser Stelle wollen wir noch kurz die Szene kritisieren… Bei vielen, sehr vielen angeblichen Gefährt_Innen stießen und stoßen wir auf Spott und Gelächter, weil wir von Null an, etwas aufbauen wollen und auch nicht mehr im Szenesumpf versinken wollen. Es kam auch nicht gerade selten vor, dass jemand sagte: „Schwarzenbek? Warum sollte ich dahin? Da gibt’s doch nichts!“. Was soll es auch schon hier geben, wenn unsere Versuche etwas aufzubauen, nicht ernst genommen werden, weil wir keine Szene hier haben und es auch keine Großstadt ist?
Jedenfalls haben wir uns von dem Spott der Szene nicht den Mut nehmen lassen und arbeiten weiterhin an unserem Projekt und sind auch der Meinung, dass Schwarzenbek, ebenso wie jeder andere Ort auch, einen Freiraum und wegen der eben beschriebenen Zustände einen Schutzraum braucht.

Von dem Infoladen wollen wir kein fertiges Bild malen, zumal dieser Ort nicht nur Teilen unserer Träume Raum ermöglichen, sondern auch Raum für andere Menschen bieten soll. Wir wollen mit diesem Projekt eine Plattform zur Verfügung stellen, in der sich Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Sexualität, ihrem Aussehen,… treffen, kennenlernen und Projekte planen und durchführen können. Diese Projekte müssten auf keinen Fall nur politisch sein, es könnten und sollten durchaus auch kulturelle und soziale Projekte sein. Beispielsweise könnten sich Schüler_Innen zusammenschließen und eine Lerngruppe bilden, Computerbegeisterte könnten eine Computer AG gründen oder jemand möchte einen Poetry Slam veranstalten…
Diese Aufzählungen könnte man noch unbegrenzt fortsetzen, aber die Fortführung dieser Liste überlassen wir der Fantasie jedes Einzelnen.
Es soll ein Freiraum sein, aber dennoch wird es ein Dogma oder besser gesagt, einen Grundsatz geben, an dem nicht gerüttelt werden kann. Und zwar: Der Infoladen wird ein anarchistisches Projekt sein und das auch bleiben. Dies bedeutet nicht, dass nur Anarchist_Innen erwünscht sind, sondern, dass Herrschaftsformen aller Art aufgezeigt, kritisiert und auch bekämpft werden. Herrschaftsformen sind z.B. Sexismus, Rassismus, Faschismus, Autoritarismus, Tierausbeutung, Antisemitismus,… auch diese Liste kann nahezu endlos weitergehen. Um es auf den Punkt zu bringen: Diskriminierungen, Mobbing und „Führer_In spielen“ werden nicht geduldet. Auch bedeutet es, dass der Infoladen durch ein Kollektiv selbstverwaltet wird. In diesem Kollektiv wird es keine Hierarchie, kein demokratisches Mehrheitsprinzip und keinen anderen Zwang geben. Es wird versucht jede Entscheidung gemeinsam mit den anderen (noch nicht) bestehenden Kollektiven/Gruppen (z.B. Computer AG) per Konsensfindung zu treffen. Und das wichtigste ist es, dass immer weiter an der Weiterentwicklung und Umsetzung von revolutionären Theorien gearbeitet wird, so, dass der Infoladen nicht im Stillstand bleibt, sondern immer im Wandel ist. Um neue Wege zu entdecken, neue Leidenschaften zu entfachen und das revolutionäre Potential immer weiter auszubauen.

In diesem Sinne: Vom Aufstand, über die Revolution, hin zur Anarchie!

Für einen Infoladen in Schwarzenbek!