1. Anarchistischer Infotisch
Bericht über den Infotisch
Von anarchistische Gruppe Schwarzenbek am 11. Dezember 2011 veröffentlicht in Freiräume, Aktionsberichte und Schwarzenbek.


Infotisch vor dem Rathaus

Der Infotisch konnte eine halbe Stunde später als geplant stattfinden. Auf Grund des schlechten Wetters wurde er aber vorzeitig abgebrochen und auch der Redebeitrag wurde nicht gehalten. Positiver weise kamen einige Bürger_Innen, trotz des miesen Wetters um das Gespräch zu suchen.

Hier der nicht vorgetragene Redebeitrag:

Hallo zusammen, wie in unserem Aufruf und unserer Internetpräsenz, die vielleicht einigen von euch bekannt ist, schon mehrfach geschildert möchten wir heute über die aktuelle Situation der Stadt Schwarzenbek sprechen und unsere Forderung nach einem freien Kulturzentrum kundtun.

Ein freies Kulturzentrum für die Menschen in und um Schwarzenbek würde den Menschen aus allen „Klassen“, Berufsständen, Herkunftsländern und Bildungsschichten, die sich den Lebensraum der Stadt teilen, ein von hierarchischen und gesellschaftlichen Zwängen oder Diskriminierungen befreites aufeinander treffen und miteinander Wirken ermöglichen.

Für diese Art von Zentrum gibt es viele Bezeichnungen unter anderem autonomes Zentrum, freies Kulturzentrum oder eben auch anarchistisches Zentrum.
In einem solchen Zentrum geht es auch darum, Projekte und Ideen zu verwirklichen, die in einem profit- und konsumorientierten System nicht umsetzbar wären, weil sie keinen Profit oder Gewinn in finanzieller Hinsicht bringen.
Neben der Beschaffenheit als Freiraum für kulturelle und sonstige Veranstaltungen oder Projekte, dient ein freies Kulturzentrum auch als Rückzugs- und Schutzraum vor staatlicher Repression, politischen oder anderen abstrakten Sachzwängen oder Verfolgung. Außerdem als Ort des freien Austausches über Informationen. Es ist notwendig um einer Gentrifizierung entgegen zu treten oder um Möglichkeiten fernab von Arbeits- und Leistungszwang bieten zu können.

Die Stadt Schwarzenbek ist mittlerweile überschuldet und in den letzten Jahren sind immer öfter Investor_innen für die geplanten Projekte abgesprungen. Wie auch der ehemalige Wirtschaftsförderer Andreas Thiede Schwarzenbek den rücken kehrte, um die Bürgermeisterstelle in Lauenburg zu übernehmen, wohin er einen teil der von ihm an Land gezogenen Projekte schlichtweg mitnahm. Es geht uns hierbei aber nicht in erster Linie darum, auf den vergangenen Verfehlungen der Lokalpolitik herum zureiten oder eine komplette Aufzählung dieser Verfehlungen publik zu machen. An dieser Stelle länger darauf einzugehen, was in der Vergangenheit falsch gemacht wurde, brächte niemanden – und auch nicht unser Anliegen – voran. Wir müssen und werden diese Fehler erwähnen und argumentativ Bezug darauf nehmen, wo es sich nicht umgehen lässt. Was ehrlicherweise durchaus in Passagen der Fall sein wird. Im Interview mit der Bergedorfer Zeitung hat Bürgermeister Frank Ruppert kürzlich sogar selbst gesagt, dass eine konsumorientierte Stadtgestaltung zur Belebung der Stadt beitragen würde. Indem er seine Meinung kundtat, dass die gescheiterten Kaufhauspläne von Investor Frank Kiefaber, eine verpasste Chance seien, definierte Ruppert blinden Konsum als Leben.

Ebenso werden wir aber auch objektiv positive Ansätze in der Lokalpolitik erwähnen oder, wenn man so will, eingestehen. Wie wir gleich zu Anfang auf die Aussage der neuen Stadtkämmerin Ute Borchers-Seelig –‘Eine Stadt darf aber nicht kaputt gespart werden sondern muss lebens- und liebenswert bleiben, um auch für junge Leute und Familien attraktiv zu sein.‘– eingehen wollen. Dieser Aussage pflichten wir bei. Doch anders, als Borchers-Seelig und die übrige Lokalregierung sind wir der Ansicht, dass entschieden an den falschen Enden gespart wird. Und so eben die Stadt kaputt gespart wird. An den nunmehr 46,5 Millionen Euro Schulden dieser Stadt werden auch die Einsparungen am Jugendtreff nichts ändern. Die Auswirkungen eines Umzugs in die Compeschule statt einer Renovierung des derzeitigen Standortes wären finanziellerseits viel zu gering, um ins Gewicht zu fallen. Allerdings hätten der zu erwartende Verlust an Entfaltungsraum für die Jugendlichen der Stadt, der ohnehin schon recht knapp bemessen ist, wie viele kulturelle Angebote in Schwarzenbek insgesamt, auf der sozialen Ebene sehr wohl gewichtige Auswirkungen. Die Stadt soll lebens- und liebenswert bleiben, so das Zitat von Frau Borchers-Seelig. Mit dieser Aussage wird suggeriert, das Dies der Fall wäre. Obwohl in Wahrheit jedoch noch der letzte Rest sozialer Struktur zurückstehen muss, während man sich jedoch um den konsumlastigen Teil der Stadtentwicklung mit eifriger Beflissenheit kümmert. Für Leerstände werden Investor_Innen angeworben, während die kulturelle Seite der Stadtentwicklung zurückstehen muss.

Ein gutes Beispiel dafür ist der seit Jahren leer stehende ehemalige Aldimarkt an der Buschkoppel, der jetzt im Rahmen eines Investor_Innenenprojektes des Unternehmers Zonghui Zhu und seiner eigens dafür gegründeten European Textile Center GmbH in einen Showroom zum Zweck der Marktforschung umgewandelt werden soll, welcher ermöglichen soll asiatische Textilien dem Geschmack der europäischen Kund_Innen näher zu bringen.

Wir sehen die einzige Chance auf eine baldige Besserung der kulturellen Gegebenheiten in dieser Stadt darin, dass die Menschen diese in ihre eigene Hand nehmen. Man könnte den Aldi an der Buschkoppel statt für einen weiteren Ort des Konsums ebenso gut und viel nutzbringender für ein freies Kulturzentrum verwenden. Eine konsumorientierte Stadtgestaltung macht die Stadt nicht lebens- und liebenswert, sondern beschränkt die Möglichkeiten des Einzelnen auf seine finanziellen Mittel.

Für ein autonomes Zentrum!


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