Schwarzenbek
Erfolgreiche Antinazidemo
Von anarchistische Gruppe Schwarzenbek am 15. Dezember 2014 veröffentlicht in Antifaschismus, Anarchie, Aktionsberichte und Schwarzenbek.

Am 13.12. versammelten sich ca. 200 Personen (laut Presse 100) in Schwarzenbek auf dem Ritter-Wulf-Platz, um gegen die Naziaktivitäten in und um Schwarzenbek zu demonstrieren.

Die Startkundgebung musste um eine Stunde verzögert werden, da die aus Hamburg Anreisenden von der Polizei begleitet wurden und die Bahn verpassten. Zu der Zeit fuhren und gingen mehrmals Nazis am Versammlungsort vorbei und versuchten zu provozieren. Kurz nach 14 Uhr versammelte sich eine Gruppe von zehn Nazis am Schwarzenbeker Bahnhof, welche sich aber wieder auflöste.

Nach der Ankunft der Unterstützer_Innen aus Hamburg wurde ein Redebeitrag verlesen und die Demo setzte sich laut und kämpferisch in Bewegung. Es wurden durchgehend Parolen wie „Nazis morden, der Staat schaut zu – Verfassungsschutz und NSU!“ und „Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall!“ gerufen. In der Frankfurter Straße wurde das Anliegen von einem Balkon aus mit „Deutsche Polizisten – Schützen die Faschisten!“ unterstützt. Kurz danach in der Danziger Straße wurde die Demonstration von einem Balkon mit einem Hitlergruß „begrüßt“. An der Ecke Kollower Straße/Berliner Straße wurde aus einem Haus mehrmals „Sieg Heil!“ gerufen. In der Innenstadt wollte es ein einzelner Nazi offensichtlich mit der ganzen Demo aufnehmen, wurde aber von der Polizei zum umdrehen bewegt.

Gegen 16 Uhr wurde am Bahnhof noch ein Redebeitrag gehalten und danach löste sich die Versammlung auf.

Dafür, dass es laut Stadtjugendpflege und der Polizei keine Naziszene in Schwarzenbek geben soll, ist es interessant wie oft es zu Provokationen durch Nazis kam (Die diesmal sogar von der Presse wahrgenommen werden konnten).

Der erste verlesene Redebeitrag:

Schwarzenbek. Eine ruhige und idyllische Kleinstadt in der Nähe von Hamburg. Die Stadt übt sich gemeinsam mit einigen Bürger_Innen in einer sogenannten „Willkommenskultur“ darin, den in Schwarzenbek untergebrachten Flüchtlingen zu helfen. Der ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei und jetziger Bürgervorsteher Konrad Freiberg ist stolz auf die Stadt, weil Schwarzenbek eine offene Stadt ist, in der alle Menschen jeder Herkunft friedlich zusammen leben. Hinter dieser vermeintlich schönen Fassade verbirgt sich die hässliche Fratze, die sich auch an vielen anderen Orten finden lässt: Befriedung, Nationalismus, Rassismus und Nazis die unbehelligt agieren können.

„Schwarzenbek hat kein Naziproblem!“, schallt es in den letzten Monaten aus fast jeder Ecke. Zeitgleich häufen sich die Aktivitäten der Nazis. Mehrmals wurden hunderte Plakate und Aufkleber in der Innenstadt und im Umkreis der Moschee verklebt, Wahlkampfsprüche der NSDAP und Hitlerverehrungen an Wände geschmiert und am 22. November versuchten zehn Nazis einen Infotisch auf dem Ritter-Wulf-Platz anzugreifen.

Rassismus ist mittlerweile salonfähig geworden und Nazis genießen Zugehörigkeit und Akzeptanz. Es sind nicht nur die, die Menschen verfolgen, verprügeln und töten oder Flüchtlingsunterkünfte anzünden, wegen denen wir auf die Straße gehen. Sondern auch die, die über sogenannte „Ausländerwitze“ lachen, die Menschen kategorisieren, Menschen in weiß und farbig einteilen, in deutsch und nicht-deutsch. Gegen die rassistischen Stammtischprolet_Innen, mit ihrem Populismus, ihrer Ängsteschürerei und der Deutschtümmelei. Gegen AFD Wähler_Innen mit der Behauptung, „Man wird das ja wohl noch sagen dürfen.“. Gegen Deutschland und jeden anderen Staat!

Dass Nazis unbehelligt handeln können ist ein Warnzeichen, bei dem man sich schon lange dagegen wehren muss. Doch in Schwarzenbek will man davon nichts hören, man will nicht das reine Image einer weltoffenen Europastadt verlieren. Man will aber auch nicht die Nazis bekämpfen, sondern lieber die, die es öffentlich machen, wenn Nazis an Kriegsdenkmälern feiern.

Dagegen formieren sich auch einige Bürger_Innen zu einem hetzerischen kleinen Mob, der heute weiße Stofftücher aus dem Fenster hängen will, um gegen jeden Extremismus zu demonstrieren. Anstatt sich mit dem Naziproblem zu beschäftigen, wird der Kampf gegen Nazis stigmatisiert und diffamiert. Nicht die Nazis sind in Schwarzenbek das Problem, sondern die, die es öffentlich machen. Menschen ohne Geschichte im Gedächtnis setzen Faschist_Innen und ihre Gegner_Innen gleich und verharmlosen damit in jeder Hinsicht die Verbrechen der NS-Zeit und verhöhnen die Opfer der Nazis. Die Presse versucht das Problem zu „entschärfen“, indem sie es zu einem „Bandenkampf“ zwischen zwei befeindeten Jugendgruppen macht. Für uns geht es hierbei nicht um Rivalität, sondern es ist ein Kampf für jedes Leben!

Den Naziaktivitäten muss von Anfang an konsequent entgegen getreten werden. Ein einziges Wegsehen, macht einen der Mittäterschaft schuldig. Die Nazis müssen daran gehindert werden, dass sie auch nur einen Fuß fassen können. Ganz gleich wie viele Menschen auch die Nazis schützen und verharmlosen, wir werden nicht aufhören sie zu bekämpfen. Die Cops meinen zwar, dass wir auch die Nazis dadurch schützen, weil wir nicht mit der Polizei kooperieren.

Wir wollen die Nazis aus unseren Leben vertreiben und sie nicht vor irgendein Gericht eines Staates bringen, den wir selbst ablehnen und überwinden wollen.

Wie an vielen anderen Orten auch, wird antifaschistisches Engagement in Schwarzenbek durch die Stadt nicht nur nicht zugelassen, sondern es ist auch gänzlich unerwünscht. Besonders im ländlichen Raum, in einem Ort der kaum bis gar nichts für Jugendliche zu bieten hat, gibt es Alternativlosigkeit. Wenn das städtische Jugendzentrum Jugendlichen keinen Raum geben darf, die sich antifaschistisch engagieren wollen, weil die Stadt es lieber unpolitisch sehen will, dann ist es nicht überraschend, dass die Nazis leichtes Spiel haben neue Leute zu finden, wenn ihnen dort kaum Widerstand entgegen gebracht wird. Ebenso spielt es den Nazis nur noch mehr zu, wenn die Stadtjugendpflege Behauptungen aufstellt, es gäbe keine organisierte Naziszene in Schwarzenbek. Woher die Nazis kommen sollen, die hier ihre NS-Hetze an Wände schmieren und kleben oder Menschen angreifen wird allerdings nirgends von der Stadt, der Presse oder der Stadtjugendpflege erklärt. Man kann nur darauf warten, dass es sich wie immer um angebliche Einzeltäter_Innen, die bestmöglich auch noch dabei alkoholisiert waren, handeln soll. Das Verhalten der Stadt bestätigt nur noch mehr die Befürchtung, dass es der Stadt egal ist, wenn Nazis aktiv werden und zur Gefahr für Menschen und insbesondere auch für die in Schwarzenbek untergebrachten Flüchtlingen werden.

Gerade wegen dem Verhalten der Stadtverwaltung, dass das Image der schönen Europastadt Schwarzenbek zu wahren wichtiger ist als das Leben zu schützen, haben wir kein Vertrauen in die Frembestimmung. Wir haben kein Vertrauen in die Polizei und den Staat. Wir brauchen keine Herrscher_Innen die uns befreien oder beschützen und selbst wenn, würden sie es niemals tun. Das wichtigste für sie ist, alles und jeden zu Befrieden, bis nirgends mehr ein kritisches Wort ertönt. Nazis werden verharmlost, weil es einfacher ist, als sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

Niemals darf vergessen werden, welche Verbrechen Nazis begannen haben. Und schon gar nicht, darf es vergessen werden, dass es nach wie vor Menschen gibt die ebenjene Ideologie verfolgen, die Millionen von Menschen das Leben gekostet hat.

Kein Vergeben, kein Vergessen!

Den Nazis jede Stadt zur Hölle machen!

Für ein Leben in Liebe, Freiheit und Anarchie!


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