Schwarzenbek
Eure Heuchelei trieft vor Blut!
Von anarchistische Gruppe Schwarzenbek am 17. März 2015 veröffentlicht in Antifaschismus, Anarchie und Schwarzenbek.

In jeder Ausgabe des „Schwarzenbeker Anzeiger“ sieht man einen Kasten. Darin sieht man jedes Mal das Grinsen der Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig, sowie was es aus ihrer Sicht neues und berichtenswertes in der Stadt gibt.

In der Ausgabe vom 17. März steht auch ein Punkt zu den immer wieder in der Stadt auftauchenden Plakaten. „Viele Aufmerksame unter Ihnen beobachten das Geschehen in unserer Stadt, hinterfragen mögliche Plakatierungen auch mit fremdenfeindlichem Hintergrund.“, so die Bürgermeisterin. Interessant ist, dass die Bürgermeisterin jetzt auf einmal Interesse für das Naziproblem hat, welches sie liebevoll „…mögliche Plakatierungen auch mit fremdenfeindlichem Hintergrund“ nennt. Sie versucht nicht nur zu vertuschen, dass es bisher ausschließlich Nazipropaganda war, sondern sie ist so frei dafür zu sorgen, dass das Image der „weltoffenen“ Europastadt Schwarzenbek mit dem Wort „Rassismus“ oder „Nazis“ bloß nicht in Kontakt kommen könnte.

Die Bürgermeisterin wurde persönlich bereits Ende Oktober 2014 bei der Einwohner_Innenversammlung mit dem Naziproblem konfrontiert. Einige Anarchist_Innen wiesen auf das Naziproblem hin. Während Bürgervorsteher Konrad Freiberg (SPD) ganz schnell versuchte das Thema vom Tisch zu wischen, versank die Bürgermeisterin sprachlos hinter ihren Akten. Überhört kann sie es nicht haben, da noch einige Bürger_Innen verlauten ließen, dass man die Nazis bekämpfen müsse. Auch ihre kurze und offensichtlich unfreiwillige Anwesenheit bei der Demonstration gegen Naziaktivitäten ist ein weiterer Grund mehr, dass sie wissen müsste, warum sich da 200 Menschen in der Stadt, von welcher sie Bürgermeisterin zu sein scheint, versammelten. Obwohl sie sehr zügig mit ihrem Fahrrad wieder davon gefahren ist, hatte sie ein paar neugierige Blicke für die Versammlung übrig.

Wir finden es mehr als nur heuchlerisch, dass die Stadt jetzt, nachdem wir fast ein Jahr auf das Naziproblem hinweisen, es versucht zu thematisieren. Der „Antifaschismus“ der Stadt ist kein Kampf gegen Nazis oder um das Leben von Menschen zu schützen, sondern schlichtweg einer, um das Image einer angeblich weltoffenen Stadt zu wahren.

Bürgervorsteher Konrad Freiberg stellt als ehemaliger Bulle selbstverständlich die Geschehnisse als Lügen hin. Behauptungen wurden aufgestellt, der versuchte Angriff einer Gruppe von zehn Nazis auf unseren Infotisch hätte nie stattgefunden. Komisch nur, dass die Bullen zum Infotisch kamen, obwohl wir sie nicht gerufen haben. Ebenso komisch ist, dass mehrere Personen Vorladungen von den Bullen bekamen wegen „Vorfall am Infostand“. Wenn es alles nicht passiert sein sollte, wieso ermitteln dann die ehemaligen Kolleg_Innen vom Ex-Bullen Freiberg? Und wieso hat der städtische Bauhof bisher fast nie was von der Nazipropaganda entfernt, sondern immer Anarchist_Innen? Freiberg müsste als Bulle doch seinen ehemaligen Kolleg_Innen glauben. Aber scheinbar lebt es sich mit dem Gewissen Mittäter zu sein einfach besser.

Bereits der Polizeichef Ernst Jenner hat gegenüber der Presse einmal verlauten lassen, dass er keine besorgniserregenden Tendenzen feststellen konnte. Im gleichen Atemzug wurde auch noch erwähnt, dass es „linksextreme“ Schmierereien gäbe. Dass es für einen Bullen nicht besorgniserregend ist, wenn Nazis die Stadt mehrmals tapezieren, ihre braune Scheiße an die Wände schmieren und Menschen angreifen ist für uns nicht überraschend. Ebenso vorhersehbar ist es, dass bei einer Klebeaktion der Nazis auch mehrere Aufkleber auf dem Briefkasten der Bullenwache klebten. Das nächste Mal lassen wir sie dort kleben, scheinen dort ja offensichtlich gut zu passen.

Mit den bisherigen Aussagen der Stadt (insbesondere Konrad Freiberg), der Polizei und der Stadtjugendpflege, dass es hier keine organisierten Nazis gäbe oder es überhaupt gar keine gäbe, haben sie nur mehr die Nazis unterstützt immer weiter zu machen. Warum sollten die Nazis auch aufhören, wenn sie ganz offensichtlich keinerlei Konsequenzen zu fürchten haben? Wenn sie mit zehn Leuten unbehelligt am helllichten Tag am Wochenmarkt Personen angreifen können, wenn sie mehrmals die Stadt mit NS-Propaganda beschmieren und plakatieren können. Wenn den Nazis kein Widerstand entgegen gebracht wird, werden sie immer weiter machen, weil sie sich immer sicherer fühlen werden.

Menschen ohne Fünkchen Geschichte im Gedächtnis schauen weg wenn Nazis wieder handeln können wie sie wollen. Ihr seid solche Menschen. Ihr seid die Menschen, die auch damals, ’33, nicht gehandelt haben. Sollte es einmal richtig knallen, werden die Stadt und die Bullen gemeinsam mit den Nazis das Blut an den Händen haben.

An diesem Tag, werden wir euch nicht sagen: „Wir haben’s ja gesagt!“. Wir werden euch zu Fall bringen.