Schwarzenbek
Der Volkstrauertag in Schwarzenbek
Von anarchistische Gruppe Schwarzenbek am 15. November 2015 veröffentlicht in Antifaschismus, Anarchie und Schwarzenbek.

Zum diesjährigen Volkstrauertag lud die Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig gemeinsam mit dem Verein „Volksbund Deutsche Kriegsgräber Fürsorge e.V.“ zum Gedenken am Ehrenmal ein.

Der Beginn war für 11:45 Uhr angesetzt und tatsächlich folgten dem Aufruf der Bürgermeisterin ca. 40 – 50 Menschen; Unter ihnen auch die neue Bürgervorsteherin Kirsten Niemann (SPD) und der Kreisvorsitzende der Jusos Calvin Fromm. Der Spuk war glücklicherweise schon gegen 12:15 Uhr vorbei, doch was ist eigentlich der VDK?

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräber Fürsorge e.V.

Der VDK selbst, versteht sich als gemeinnützig und humanitär und versucht sich gerne als Teil der deutschen Friedensbewegung zu inszenieren. Seit seiner Gründung im Jahre 1919 hat sich der Verein, der mittlerweile vom Staat subventioniert wird, zur Aufgabe gemacht deutsche Soldat*Innengräber zu pflegen, zu restaurieren oder weitere im Ausland zu suchen, um dort dann noch weitere Denkmäler zu errichten.

Unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern – Im Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ wird jährlich zu den Kriegsgräbern mobilisiert, um den Gefallenen zu gedenken. Aufgrund der deutschen Geschichte, kommt der Verein nicht um den Holocaust und deren Verursacher*Innen herum, wenn er, mit einer sauberen Weste, deutschen Soldat*Innen gedenken möchte. Versucht wird es durch eine geschichtsrevisionistische Art zu Gedenken. Es werden Widerstandskämpfer*Innen, Wehrmachtssoldat*Innen, SS-Divisionen und gelegentlich auch Zwangsarbeiter*Innen in ein und dasselbe Grab geworfen. Durch diese vermeintliche „Versöhnung“ soll ein Geschichtsempfinden kreiert werden, welches nur Opfer und keine Täter*Innen kennt. Im selben Atemzug wird obligatorisch den KZ-Insass*Innen, wie auch den Gefallenen der Wehrmacht gedacht. Aus Täter*Innen sollen Opfer gemacht werden.

Der durch den VDK eingeführten „Volkstrauertag“, wurde unter den Nazis zum gesetzlichen Feiertag und zum sogenannten „Heldengedenken“ umfunktioniert. Der VDK leistete gegen das 3. Reich keinerlei Widerstand, sondern passte sich freudig der nationalsozialistischen Ideologie und deren Form zu Gedenken an. Auch nach dem 2. Weltkrieg war der Generalsekretär des VDK bis 1969 Otto Margraf, welcher kurz vor Kriegsende verkündete: „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bedeutet Besinnung auf Ehre und Größe der Nation, auf die heldischen Opfer und den Todesmut unserer Gefallenen auf das Deutschtum überhaupt.

Die Anwesenheit von SPD‘lern und Jusos kommt aufgrund der Geschichte des Vereins nicht überraschend. Waren in der Nachkriegszeit noch vermehrt ehemalige NSDAP Mitglieder in der Führungsspitze des Vereins, so sind es seit den 90er Jahren vor allem Sozialdemokrat*Innen. Die Jusos Kreis Herzogtum Lauenburg haben sich bereits öfters positiv gegenüber der Bundeswehr und ihren Einsätzen geäußert, weshalb es auch in diesem Punkt keinerlei Berührungsängste gab.

Für den VDK ist die deutsche Geschichte und insbesondere die der NS-Zeit eine längst vergangene und abgeschlossene Sache. Der VDK hat es geschafft, dass bei den Veranstaltungen um den „Volkstrauertag“ das Gedenken und die Trauer im Mittelpunkt stehen und denen, die sich mobilisieren lassen ein Geschichtsbild vermittelt wird, welches das deutsche Gewissen gereinigt hat.

Um das Gedenken „wach zu halten“ und der Schaffung eines „gesunden“ Nationalbewusstsein behilflich zu sein, werden die Opfer des Holocausts in den vermeintlichen Vordergrund geschoben, um gegen kommende Kriege zu mahnen. Der VDK kann ein noch so sauberes Image haben, aber solange Opfern und Täter*Innen gleichzeitig gedacht wird, wird ein klares Bild vermittelt: Das Ziel ist es nicht die deutsche Geschichte zu verarbeiten oder dafür zu sorgen, dass diese sich nicht wiederholt, sondern eher, dass die unliebsame Geschichte unter den Tisch geschoben wird. Dass aus deutschen Täter*Innen Opfer kreiert werden, die verblendet waren und dachten sie hätten das richtige getan. Die für etwas gestorben sind, was sie selbst nicht wollten. Durch diese Ausreden wird das Gedenken an die Schweine der Nazizeit gesellschaftsfähig.

Keine Träne für deutsche Täter*Innen!


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